Fünf skurrile Crowdfunding-Kampagnen, die Erfolg hatten

Diese Ideen wären vermutlich früher oder später bei Kreditgesprächen mit einer Bank gescheitert. Daher setzten die Initiatoren auf Leute aus dem Internet, die genauso verrückt waren wie sie selbst. Fünf skurrile, aber trotzdem erfolgreiche Kampagnen, die über die Crowd finanziert wurden.


Internet liebt Kartoffelsalat

Zack Brown aus Ohio suchte im Juli 2014 Geldgeber, um einen Kartoffelsalat zu machen. Er liebe Kartoffelsalat, erklärte der Feinschmecker auf der Kampagnen-Seite seines Projekts. Bisher hatte er noch nie selbst einen zubereitet, mit der Kampagne wollte er das ändern. Lediglich zehn Dollar wollte Brown von der „Crowd“ dafür. „Ich mache einfach nur Kartoffelsalat. Ich habe mich noch nicht entschieden, nach welcher Art“, lautete die Beschreibung des Projekts.

Binnen eines Monats hatten sich mehr als 6.900 Menschen entschieden, das Projekt mit 55.492 Dollar zu unterstützen. Den Spendern versprach Brown, ihren Namen während der Zubereitung für den Kartoffelsalat laut zu erwähnen und den Clip dann ins Netz zu stellen. Brown hätte niemals so viele Unterstützer erwartet, hielt aber sein Versprechen und drehte ein knapp vierstündiges Video, in welchem er sich beim Kartoffel schälen filmte - während er alle Namen in alphabetischer Reihenfolge vorlas.

Der Initiator der Kampagne gab schlussendlich aber nicht alle Spenden für den Kartoffelsalat aus, sondern steckte das restliche Geld in den von ihm kreierten Music & Salad-Event Potato Stock. Zu der Veranstaltung kamen rund 2.000 Menschen, die Einnahmen wurden an eine Hilfsorganisation für Hungernde und Obdachlose gespendet.

Das Projekt wirkte sich sogar bis nach Deutschland aus: Die Pankower Allgemeine Zeitung ruft im Herbst 2015 erstmals die „Kartoffelsalatkonferenz“ ins Leben. In Anlehnung an Zack Brown möchte die Zeitung mittels Crowdfunding Geld für Autoren, Journalisten und Medienprojekte einsammeln.

Zack Brown hat es mit der Kampagne sogar in ein Geschichtsbuch der Ökonomie geschafft und ein wichtiges ökonomisches Gesetz bewiesen: Crowdfunding kann funktionieren, wenn die Attraktion stimmig präsentiert wird. Er ist damit ein „Ökonom“, der die wirtschaftliche Macht einer kreativen Idee allein per Internet materialisiert hat, und so die moderne „Kartoffelsalat-Ökonomie“ begründet hat.

 

 

13.000 Kilometer auf dem Fahrrad

Die eineiigen Zwillinge Paul und Hansen Hoepner verbindet ein gemeinsames Hobby: Sie fahren leidenschaftlich gerne Fahrrad. Daher beschlossen sie 2012, von Berlin nach Shanghai zu biken – das sind 13.000 Kilometer im Sattel, für die sich die Brüder eine Frist von sechs Monaten setzten. Geschlafen wurde nur mit Zelt und Isomatte, Luxus gab es keinen. Rund 25 Kilogramm Gepäck pro Person verstauten die Zwillinge in ihren Anhängern, mit denen sie über die Kontinente radelten.

11.000 Schweizer Franken benötigte man als Kapital. Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass Crowdfunding 2012 noch relativ unbekannt war. Die „Crowd“ wurde auch damals schon durch kleine Incentives zum Spenden angeregt. So gab es etwa für eine 10 Euro- Spende ein Steinchen aus dem Himalaya. Es brauchte lediglich 67 Unterstützer, um das benötigte Geld einzusammeln.

Nach ihrer halben Weltreise schrieben die beiden das Buch „Zwei nach Shanghai“, welches binnen vier Monaten bereits mehr als 10.000 mal verkauft wurde. Die Brüder hatten fast immer eine Kamera laufen, aus den Aufnahmen entstand ein Film der auf EinsPlus ausgestrahlt wurde. Wow!

 

Das Telefon ohne Funktion

„Erwarten Sie nichts“. Eine Gruppe Amerikaner und Niederländer hat ein Smartphone erfunden, das fast nichts kann. Die Hersteller versprechen trotzdem, damit die Welt zu verändern. „Telefonsucht ist real, sie betrifft fast jeden und wird immer schlimmer. Bei Dates sieht man statt Kerzen nur noch Bildschirme. Wir gehen zu Konzerten, um diese dann durch das Meer an Handys zu beobachten. Sie stören im Kino. Sie schaden unserer Körperhaltung. Zum Glück haben wir eine Lösung kreiert“ schreiben die Initiatoren auf ihrer Kickstarter- Kampagne.

Mit dem NoPhone sollen ein leerer Akku, volle Speicherkarten, verpflichtende Updates, ein peinlicher Browserverlauf und ständige Überwachung der Vergangenheit angehören. Die „Crowd“ hat darüber hinaus aber noch weitere Vorteile erkannt: „Dank des NoPhones schreibe ich meinem Ex- Partner keine betrunkenen Nachrichten mehr“, oder „Endlich kann ich mein Essen genießen, ohne es vorher fotografieren zu müssen“.

Die Macher scheuen nicht einmal einen Vergleich mit dem iPhone 6. Zwar verliert man etwa in den Kategorien Speicher, Auflösung oder Kamera, dafür sei das NoPhone aber bruch- und wasserfest. Im Wesentlichen ist es ein rechteckiger Block Plastik mit den Maßen 140 × 67 × 7,3 Millimeter, was in etwa den Ausmaßen eines 5,5 Zoll großen Smartphones entspricht.

Wer die Entwicklung bereits vor Ablauf der Kickstarter-Kampagne unterstützt hatte, konnte das Nicht-Smartphone für knapp zehn Euro vorbestellen. Etwa fünf Euro mehr kostet das NoPhone mit Selfie-Funktion. In dieser Ausführung lässt sich ein passgenauer Spiegel auf die Front des Plastikblocks kleben.

Insgesamt 915 Unterstützer haben 18.316 Dollar für die Gesellschaftskritik aus Plastik gespendet und die Umsetzung so erst ermöglicht. Hm, die Gesellschaftskritik mag ja funktioniert haben – aber macht es echt Sinn, dafür so viel funktionsloses Plastik in die Welt zu setzen.


Quelle: Kickstarter

Wenn sich der Himmel einen Spaß erlaubt

„Ich bitte euch Geld zu spenden, damit ich jemanden beauftragen kann, der dumme Sachen in den Himmel schreibt“. Mit diesen Worten rief der Comedian Kurt Braunholder aus Los Angeles die „Crowd“ zum Spenden auf. Ab 4.000 Dollar sei eine Nachricht bestehend aus 10 bis 15 Zeichen möglich. Ab 10.000 Dollar würde Braunholder eine fünfzeilige Message mit jeweils 20 Zeichen in Auftrag geben. Insgesamt haben 257 Unterstützer 6820 Dollar gespendet. Im März 2013 stieg schließlich ein professioneller „skywriter“ mit einer Propellermaschine in die Luft, um die Worte „How Do I Land?“ in den Himmel zu schreiben. Zuvor konnten die Spender selbst mitbestimmen, was geschrieben werden sollte. Zur Wahl standen auch Sprüche wie „Clouds 4 EVA“, oder „OMG I’m flying!“.

Für 10.000 Dollar hätte Braunholder einen Kurzdialog schreiben lassen:

-Hey man.

-Hey.

-What’s up?

-Skywriting.

-Oh. Sorry. I forgot.

Die Aktion kam im Netz jedenfalls sehr gut an, Braunholder meinte dazu: „Ich freue mich, dass das Internet genauso auf dumme Sachen steht wie ich“.

 

Die Schlafmaske der anderen Art

Was würden Sie tun, wenn Sie ihre Träume kontrollieren könnten? Bereits Aristoteles stellte sich diese Frage und versuchte, die Geheimnisse des klaren Träumens zu entschlüsseln. Die Macher der Remee-Schlafbrille waren aber vermutlich durch den Film „Inception“ motiviert und wollten selbst einmal einen luziden Traum (Klartraum) erleben.

In diversen Online-Foren tauschen sich Menschen schon seit langer Zeit darüber aus, wie der Klartraum gelingt. So hilft es vielen beispielsweise, sich auch im Wachzustand häufiger die Frage zu stellen, ob sie gerade träumen. Wer das regelmäßig tut, stellt sich dieselbe Frage dann irgendwann auch im Traum – und kann so den Klartraum einleiten. Um zu überprüfen, ob man träumt, reicht oft schon ein Blick auf die Hände: Erscheinen sie schwammig und mit mehr oder weniger als fünf Fingern pro Hand, handelt es sich um einen Traum.

Wer es mit den herkömmlichen Methoden nicht schafft, den Klartraum zu erreichen, dem soll Remee mit technischer Unterstützung auf die Sprünge helfen. Die Idee: optische Reize, die durch blinkende Leuchtdioden ausgelöst werden, sollen mit der Zeit im Traum wiedererkannt werden und so den Klartraum ermöglichen. Somit wird der Schlafende mit einiger Übung im Traum durch die blinkenden Lichter daran erinnert, dass er träumt. Die Brille soll dabei auch die Schlafphasen des Träumenden messen und beachten.

Doch wozu das Ganze? Die beiden Hersteller aus New York geben die Antwort: „Durch die Galaxie fliegen oder auf einer riesigen Katze zu reiten mag vielleicht nicht Ihr Ding sein – aber was ist mit einer Diskussionsrunde mit Ihnen selbst? Vielleicht können Sie auch die Scheu davor überwinden, öffentlich zu sprechen – innerhalb der sicheren Mauern Ihres Traumes.“

Auf Kickstarter spendeten 6.557 Unterstützer 572.891 Dollar, obwohl die Hersteller eigentlich nur 35.000 benötigt hätten.

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